Anwendungsmöglichkeiten

 

Arzneipflanzenlexikon

Unter folgendem Link finden Sie ein umfassendes Arzneipflanzenlexikon:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/

 

Pflanzliche Zubereitung

Pflanzliche Zubereitungen werden in der ärztlichen Praxis in Form der Phytopharmaka angewendet. Bei Arzneimitteln sind rezeptpflichtige, apothekenpflichtige und frei verkäufliche Präparate zu unterscheiden. Erste dürfen nur von Ärztinnen und Ärzten verordnet und über die Apotheke abgegeben werden. Die Entscheidung über die Rezeptpflicht erfolgt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Berlin. Verordnungsfähige Arzneimittel dürfen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) über ein Kassenrezept verschrieben werden. Nach § 34 SGB V sind nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich von der Versorgung nach § 31 ausgeschlossen. Die meisten auf dem Markt vorhandenen pflanzlichen Arzneimittel unterliegen aufgrund langjähriger Erfahrung und ihres ausgezeichneten Nutzen-Risiko-Profils nicht der Verschreibungspflicht. Vom Gemeinsamen Bundesausschuss wurde in den Arzneimittel-Richtlinien festgelegt, welche nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die bei der Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen als Therapiestandard gelten, seit dem 1.4.2004 mit Begründung vom Vertragsarzt ausnahmsweise weiter verordnet werden können. Hierzu gehören Ginkgo biloba-Extrakte zur Behandlung der Demenz, Hypericum-Extrakte zur Beeinflussung mittelschwerer depressiver Episoden, Flohsamenschalen zur unterstützenden Quellmittelbehandlung bei Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom und HIV-assoziierter Diarrhö sowie parenterale, auf Mistellektine standardisierte Mistelpräparate in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität.

Phytopharmaka sind Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs und stehen dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker in Form von Fertigpräparaten, untersucht auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit, zur Verfügung.
Aber auch traditionell verwendete pflanzliche Zubereitungen in Form von Tees, Tinkturen und Frischpflanzensäften, für die ausgesprochen viele Erfahrungen vorliegen, sind für die Phytotherapie, unverzichtbar. Hier sind Kombinationspräparate traditionell gebräuchlich und werden zum Teil bevorzugt gegenüber Monopräparaten eingesetzt. Bei flüssigen Zubereitungen wie Tees spricht schon der ausgewogenere Geschmack für Kombinationen. Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen haben eine additive bzw. eine gleichsinnige Wirkung. Pharmazeutisch werden Heilkräuter nach im Vordergrund stehenden Wirkstoffgruppen unterschieden: Alkaloid-, Bitterstoff-, Flavonoid-, Saponin- und Gerbstoffdrogen. Meist werden Heilkräuter getrocknet, um eine zeitliche Unabhängigkeit von der Erntezeit zu erhalten. Die getrocknete Arzneipflanze wird Droge genannt.

Teeverordnungen, Flüssigextrakte und Tinkturen, Frischpflanzenzubereitungen

Teeverordnungen

Bei den verschiedenen Zubereitungen unterscheidet man zunächst den klassischen Teeaufguss (Infus). Beim Teeaufguss ist in der Regel die Droge in der üblichen genannten Einzeldosis von 2 g (etwa 1–2 gehäufte TL) mit ca. 100–150 ml kochendem Wasser zu übergießen und ca. 10–15 min. abgedeckt ziehen zu lassen. Varianten der Zubereitung sind die Abkochung (Dekokt), bei der die Droge über eine bestimmte Zeit auf dem Herd abgekocht wird, und das Kaltmazerat, bei dem man die Droge über Nacht im kalten Wasser quellen lässt, bevor dann dieser Auszug vor dem Trinken erwärmt wird. Solche Zubereitungen kommen besonders für „massive“ Drogen wie Wurzeln und Rinden in Betracht. Für eine möglichst umfassende Extraktion ist die Verwendung zerkleinerter, feingeschnittener Drogen vorteilhaft; demgegenüber steht allerdings die schlechtere Haltbarkeit. Zu empfehlen ist deshalb die Anwendung von feinst geschnittenen Drogen im aromageschützt verpackten Teebeutel. Je nach Zubereitung variiert das Stoffspektrum der Zubereitungen etwas: Wasser löst vorzugsweise Bitterstoffe, Flavonoide und Saponine, Alkohol eher lipophilere Stoffe wie ätherische Öle. Durch die in der Pflanze enthaltenen Lösungsvermittler werden jedoch auch eigentlich wasserunlösliche Substanzen in Lösung gebracht. In einer Teemischung werden meist 2–3 Basismittel zusammen mit einem Adjuvans gegeben. Es können außerdem pflanzliche Füllmittel sowie Geschmacks- und Schmuckdrogen hinzugegeben werden.

Flüssigextrakte und Tinkturen

Ähnlich wie die Teezubereitung, jedoch im großtechnischen Maßstab, erhält man Extrakte durch Extrahieren der Droge in Lösungsmitteln. Bei Verwendung von untoxischen Lösungsmitteln, z.B. Wasser-Alkohol-Gemisch, können entsprechende Flüssigextrakte und Tinkturen gewonnen werden. Ein ausreichend hoher Alkoholgehalt (über 40%) schützt vor Mikroorganismen. Ansonsten wird das Lösungsmittel vollständig verdampft, und man erhält einen Trockenextrakt. Durch (Wasserdampf-) Destillation werden die ätherischen Öle in konzentrierter Form gewonnen. Heute wird es, aufgrund der zunehmend erschwerten Verfügbarkeit von pflanzlichen Extrakten, immer schwerer solche Mischungen individuell abgestimmt auf das Krankheitsbild des Patienten herstellen zu lassen.

 

Frischpflanzenpresssäfte

Frischgepresste Heilkräutersäfte werden aus Frischpflanzen gewonnen und durch kurzes Erhitzen in der Flasche haltbar gemacht werden.
Sie enthalten die Gesamtheit der Wirk- und Inhaltsstoffe in ihrer natürlichen und deshalb für den Organismus leicht aufnehmbarer Form.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die natürlichen Wirkstoffe im Frischpflanzenpresssaft in hoher Konzentration vorliegen. Heilpflanzensäfte haben sich seit über 70 Jahren als wirksame Heilmittel ohne lästige Nebenwirkungen in der Phytotherapie bewährt.